Hassloch, Marktforschung in der durchschnittlichsten Stadt Deutschlands
Alle Produkte die es auf dem Markt zu kaufen gibt, sind nicht ohne Grund auf dem Markt. Bevor sie verkauft werden, durchläuft jedes Produkt, einschließlich des Verpackungsdesigns, eine Reihe von Tests, damit man sicher gehen kann, dass das Produkt ansprechend ist und von den Kunden gekauft wird.
Wenn das Produkt mehrere Auswahlkriterien durchlaufen hat, erfolgt die Forschung am Markt. Je nach Produkt gibt es verschiedene Testumgebungen, wie z.B. ? . Die beste Möglichkeit ist natürlich, den potenziellen Kunden mit dem Produkt in seinem natürlichen Umfeld zu konfrontieren, um zu sehen wie dieser darauf reagiert.
Seit 1986 betreibt die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) einen bundesweit einzigartigen Testmarkt. Dieser befindet sich in einer kleinen Stadt namens Hassloch in Rheinland-Pfalz. In Hasslochs Supermärkten werden neue Produkte verkauft, die es so in keiner anderen Stadt zu kaufen gibt.
Warum Hassloch und nicht Hamburg, Berlin oder Köln?
Hauptgrund dafür ist das Kabelfernsehen. Das gab es 1986 noch nicht überall in Deutschland. Hassloch war aber im Kabel-Pilot-Projekt der Stadt Ludwigshafen zu etwa 90% mit Kabelfernsehen versorgt. Unerlässlich für die Studie: Denn die neuen Produkte müssen ja auch im Fernsehen beworben werden.
In den verschiedenen Städten Deutschlands gibt es verschiedene Bevölkerungsschichten, kulturelle Unterschiede usw. Man müsste also verschiedene Produkte in unterschiedlichen Städten testen. Da dies zu aufwändig wäre, nimmt man Haßloch, denn es spiegelt „Deutschland in klein“ wider und eignet sich deshalb optimal für die Marktforschung.
Von den 20.000 Einwohnern nehmen 3.400 Haushalte aus Hassloch an dem Test teil, die in ihrer Zusammensetzung dem deutschen Durchschnitt entsprechen.
Das Rentnerehepaar macht mit, der gut verdienende Single, die junge Familie mit Kind, die mit jedem Cent rechnen muss, und auch der Arbeitslose – immer in dem Verhältnis, wie sie auch in Deutschland leben. Und sie kaufen ein, so wie sie es immer machen.
Wie läuft die Forschung ab?
Als Bewohner von Haßloch ist die Teilnahme an diesem Projekt freiwillig. Teilnehmer erhalten eine monatliche Aufwandsentschädigung von 15€.
Die teilnehmenden Haushalte realisieren gar nicht, dass sie an einem Konsumforschungsprojekt teilnehmen. Die Anzahl der Produkte, die in den Supermärkten getestet werden, ist relativ gering. Die GfK im Jahr nimmt ca. 25 Produkte entgegen und der Zeitraum in dem die Produkte getestet werden, beträgt drei bis zwölf Monate. Außerdem handelt es sich bei den Waren nur um Produkte des täglichen Bedarfs, die sich in das normale Sortiment eines Supermarkes einreihen. Einen neuen Fernseher wird man dort nicht finden.
Jeder Teilnehmer erhält von der GfK eine Chipkarte sowie einen speziellen TV-Receiver, der es der GfK ermöglicht, das Fernsehprogramm zu manipulieren. Auf neun Kanälen überblendet die GfK zu jeder Tageszeit Werbung zugunsten von Testspots, ohne dass der Zuschauer das merkt. Außerdem werden Printmedien speziell für Haßloch umgestaltet. Für Exemplare der Fernsehzeitschrift werden die Druckmaschinen angehalten, um spezielle Anzeigenseiten einzulegen.
Nach jedem Einkauf im Supermarkt, werden die Kunden aufgefordert, ihre Chip-Karte vorzuzeigen. Auf dieser Karte sind sämtliche Daten, wie z. B. der Familienstand, des Teilnehmers gespeichert. Somit werden die Artikel beim bezahlen in den Kassen registriert und an die GfK weitergeleitet. Auf diese Weise kann die GfK die Käufer bestimmter Produkte sehr gut kennenlernen und dem Hersteller ein detailliertes Profil erstellen.
Die Unternehmen
An dem Projekt nehmen internationale Konzerne teil, die Haßloch als Chance sehen, Produkttests unter realen Bedingungen zu geringen Kosten zu absolvieren. Konzerne wie etwa Bahlsen, Henkel und Coca Cola können mit ihrem neuen Produkt zur Generalprobe nach Haßloch kommen. Noch bevor sie für viel Geld die Werbe-Maschinerie anwerfen und die Produkte in Massen herstellen, müssen sich die Artikel in Haßloch dann ein letztes Mal beweisen.
Haßloch ist die härteste Probe für ein neues Produkt
Haßloch entscheidet, ob die Produkte bei uns in den Supermärkten landen. Für viele Produkte bedeutet dies das Aus. Etwa 70 % aller Artikel, die neu auf den Markt in Haßloch kommen, verschwinden nach einem Jahr wieder aus den Regalen.
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